Post by @fasnix

Peter 🌈🦈
@33dBm @lazysocial.de
Mobilfunk über Satellit?

Der kommende Standard der 6. Mobilfunkgeneration (6G) ist derzeit in der Ausarbeitung und ich rechne 2030 mit ersten Tests. 6G wird neben einigen anderen Features (siehe:
33dbm.de/blog/2025/12/was-komm) auch die direkte Verbindung von Mobiltelefonen über Satelliten ausführlicher beschreiben. So können Chipsätze für Endgeräte entwickelt werden, die im Gegensatz zu aktuellen proprietären Lösungen nach einem offenen Standard mit Satelliten arbeiten.

Ich hätte nicht den Beinamen "Uuh, der Peter wieder, der alte Bedenkenträger" auf Arbeit gehabt, wenn ich nicht an allem was herumzumäkeln hätte. So jetzt auch mit diesen Satelliten.

Ich sehe - wie damals™ bei 5G - wieder einen neuen Hype auf uns zukommen, der das Marketing beflügeln soll. Kunden werden in eine Erwartungshaltung versetzt, die nachher in Enttäuschung enden wird, besonders wenn die Kunden Starlink als Maßstab sehen.

Starlink arbeitet aus 550km Höhe auf Frequenzen oberhalb von 10GHz. Für kleine Ausleuchtzonen auf dem Boden sind durch die hohe Frequenz vergleichsweise kleine Antennen sowohl beim Satellit als auch auf der Erde möglich. Bei den für den Mobilfunk (in D/EU) vorgesehenen Frequenzen für Satelliten-Mobilfunk von ~2GHz werden die Antennen am Satelliten sehr groß, zumal das Endgerät ein einfaches Smartphone sein soll und kein Antennenarray wie bei einem Starlink Endgerät. Damit sinkt die Datenrate und Performance.

Für die Versorgung kommen Low Orbit Satelliten (LEO) oder (theoretisch) auch geostationäre Satelliten (GEO) in Frage.

Geostationäre Satelliten hätten den Vorteil, dass nur ein oder wenige Satelliten erforderlich wären. Die Nachteile wären eine Latenz (Pingzeit) von ~280ms (2*36000km). Surfen macht damit keinen Spaß. Zudem wären durch die große Entfernung wirklich große Antennen (für 2GHz) am Satelliten erforderlich. Dennoch werden die Ausleuchtzonen mit vielleicht 500 bis 1000km Radius sehr groß sein, sodass auch die Kapazität der einzelnen Satellitenzelle für den gesamten Bereich ausreichen müsste. Geostationäre Satelliten eignen sich daher nur für kurze Statusmeldungen oder kleine Textnachrichten und nicht wirklich zum Surfen. Ich gehe aber davon aus, dass dieser Dienst für 'normale', zukünftige Smartphones realisiert wird.

Die in Betrieb befindlichen GEO Satelliten für Internet arbeiten auf Frequenzen >10 GHz und die Bodenstationen haben Parabolantennen. Das ist ein großer Unterschied zu 2GHz und einer Smartphoneantenne für eine Verbindung über 36 Tausend Kilometer.

Gescheit surfen geht nur mit Satelliten, die tiefer fliegen. Mit Satelliten in etwa 500km Höhe könnten bei 2 GHz Zellen (oder deren Beams) von etwa 100 km Radius auf dem Boden realisierbar sein. (Achtung: Die 100km sind eine grobe Schätzung von mir.) Durch mehrere (viele) Satellitenzellen würde sich die Netzkapazität im Vergleich zu geostationären Satelliten massiv vergrößern. Ich weiss nicht, wie groß die Bandbreite bei den geplanten 2GHz Frequenzen für Satelliten sein wird, vielleicht sind es 200MHz. Damit wäre eine Datenrate von 1 (vielleicht 2,mmeine Schätzung) GBit/s für den 100km Radius verfügbar, die sich die Kunden teilen müssten. Und 500km sind etwas einfacher zu überbrücken, als 36000km, wobei aber auch bei LEO immer ziemlich freie Sicht zum Himmel bestehen muss.

Damit aber die Low Orbit Satelliten nicht herunterfallen, müssen sie schneller als die Erdrotation sein. Damit kreisen sie um die Erde und wären immer nur sehr kurzfristig (5 bis 10 Minuten) über der Eifel oder Brandenburg zu sehen. Es braucht also viele bis extrem viele LEO Satelliten. Starlink hat derzeit 10000 (zehntausend!) Satelliten auf 550km Höhe und erreicht damit eine ausreichende Grundversorgung. Es sollen noch zehn Mal mehr werden.

Eine Low Orbit Lösung macht nur Sinn, wenn die Satelliten so gebaut werden, dass sie weltweit einsetzbar wären und entsprechend ihrem Überfluggebiet die Frequenzen wechseln. Eine Lösung von nur 4 europäischen Netzbetreibern mit LEO ist zutiefst unwirtschaftlich. 10000 Satelliten für die Eifel und Brandenburg vorzuhalten, macht wenig Sinn. Es wird also zwangsläufig auf eine internationale Lösung hinauslaufen.

Musk hat Frequenzen auf 800MHz (n26 ) und auf 1.7/2.1 GHz (n66, n70, n252) gekauft, und SpaceX rüstet neue Satelliten damit aus (en.wikipedia.org/wiki/Starlink). Es ist davon auszugehen, dass die Hardware 6G fähig ist und auch die in Europa vorgesehenen Bänder unterstützt und per Software Europa mit Mobilfunk versorgen könnte. Belege habe ich nicht, aber ich gehe schwer davon aus, das SpaceX weiß, was in Europa ansteht

Ein Satellitensystem für Mobilfunk - unabhängig von StarLink - aufzusetzen, wäre prinzipiell schön. Aber es müssten je nach Flughöhe der Satelliten und Kapazität sehr viele Satelliten gebaut und im Orbit platziert werden. Und es braucht Zeit.

Und es würde ziemlich eng, falls doch jemand mal mit einer Rakete durch den Low Orbit hindurch weiter ins Weltall möchte.

telekom.com/de/newsroom/aktuel

heise.de/news/Telekom-Vodafone

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Johannes aka sl0
@do1slo @mastodon.radio
Mobilfunk über Satellit?

@33dBm

Danke!

Da kommt wohl viel Schrott auf uns zu, damit wird man dann in Wachtberg und bei der DLR nicht arbeitslos. Ob aber dann auch noch Radioastronomie funktioniert, sehen wir dann. ...

flo
@fasnix
Mobilfunk über Satellit?

@do1slo@mastodon.radio @33dBm@lazysocial.de
Ich frage mich ja, wohin die Entwicklung denn noch gehen soll?

6G, 7G, ... 10G, ... 20G, ...?

"Mobilfunk über Satellit"?
Wozu?
Was soll der Nutzen sein?
Wozu noch weitere zehntausende Satelliten, die den Weltraum verschmutzen und Astronomie weiter beeinträchtigen?

Wann ist denn mal "genug"?

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Peter 🌈🦈
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Mobilfunk über Satellit?

@fasnix @do1slo
Dem konservativen Kapitalismus ist es nie 'genug'. Es wird so lange Bedarf erzeugt und Hype gemacht, bis das System kollabiert. Bei den Satelliten kann das ziemlich schnell und umfangreich passieren. Zudem glaube ich, dass wir 2030ff als Gesellschaft ganz andere Probleme haben.

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flo
@fasnix
Mobilfunk über Satellit?
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Johannes aka sl0
@do1slo @mastodon.radio
Mobilfunk über Satellit?

@33dBm @fasnix

Ich hoffe, dass es nicht so schlimm wird, wie es schon ist. Valentin.