Post by @sonjalemke@ruhr.social

Sonja Lemke
@sonjalemke @ruhr.social

Waren im Rahmen der Ausschussreise Digitalausschuss in Wien von der deutschen Handelskammer in Österreich zum Essen eingeladen und einer von denen pries als Standortvorteile, dass sich arbeitende Menschen in #Wien Wohnungen leisten können "aber hier gibt es ja auch einen großen öffentlichen Wohnungsbestand, das hat Berlin ja nicht." Worauf ich meinte: "Bald schon." (Kam nicht so gut an)

71 likes
Refresh interactions
30 boosts
Sonja Lemke
@sonjalemke @ruhr.social
Public de edited

Dann fing er was zu erzählen, von wegen in Österreich gibt es ja eine lange Tradition von öffentlichem Wohnungsbau, das ist da ja was ganz anderes als in Deutschland.
Und ich muss sagen ich finde das wirklich faszinierend wie Geschichtsvergessen das ist, weil auch die BRD eine lange Tradition an öffentlichen Wohnungsbau hat, das wurde halt nur Großteils privatisiert. Vonovia etc haben nichts anderes gemacht als diese Bestände aufgekauft und so gut wie nix gebaut.

Sonja Lemke
@sonjalemke @ruhr.social
Public de edited

In #NRW sind richtig viele Viertel als sozialer Wohnungsbau von der #LEG gebaut worden, die wurde 2006(!) privatisiert. Wenn man mit den Mieter*innen dort spricht, dann erinnern die sich daran wie viel besser das war, weil die Miete günstig war und jeder Block einen Hausmeister hatte, der Schäden innerhalb weniger Tage repariert hat. (Jetzt gibt es eine KI Hotline, bei der nix passiert und die Wohnungen verfallen)

Sonja Lemke
@sonjalemke @ruhr.social
Public de edited

Vergesellschaftung von Wohnraum ist nix anderes als die Fehler vergangener Politik rückgängig machen. Eine schlichte Entprivatisierung. Nicht revolutionärer als die 70er.

Sonja Lemke
@sonjalemke @ruhr.social

Aber den gleichen Effekt gibt es irgendwie auch bei allen sozialen Errungenschaften, die dann irgendwelchen reichen Gönnern zugeschrieben werden, statt den harten Streiks und Arbeiter*innenkämpfe, die jede einzelne abgerungen haben.

Der Wolf
@Wolf @social.tchncs.de

@sonjalemke
Kann man das mit der "Bundesbahn" nicht auch..? ;)

Sonja Lemke
@sonjalemke @ruhr.social

@Wolf ja. Und der Post & Telekom.

Der Wolf
@Wolf @social.tchncs.de

@sonjalemke
Wobei, da ja gerne die Glasfaser im Hausflur Teil der Daseinsvorsorge sein darf, und das Angebot an Traffic dann am Markt einem Wettbewerb unterliegen sollte. Mit Innovationen hat es der Staat ja nicht so..

Sonja Lemke
@sonjalemke @ruhr.social

@Wolf wieso? Glasfaser für alle und Gebühr für alle, mit ausgeprägten Sozialtarifen. Keine Drosselung mehr für Leute, die sich nicht den besten Tarif leisten können.

Der Wolf
@Wolf @social.tchncs.de

@sonjalemke
Ich glaube wenn die Infrastruktur überall verfügbar ist, ist das schon die halbe Miete.

Early Twix
@EarlyTwix @sueden.social

@sonjalemke naja aber die Aktionäre kriegen mehr Geld... man darf das positive doch nicht verschweigen.....

... ich bin schon weg.....

Harald
@HaraldKi @nrw.social

@sonjalemke Privatisieren von Infrastruktur ist eine bescheuerte Idee, wie eigentlich jeder Marktgläubige sofort erkennen muss, da man zwangsläufig ein Monopol erschafft.

Ich frag mich ja, ob Wohnraum nicht im Grunde auch Infrastruktur ist.

@sonjalemke Analog zu den ehemaligen Wohnungen der „VEBA Oel“ in Gelsenkirchen. 2-3 Verkäufe und Umbenennungen später gehören die Wohnungen zu Vonovia.

Als das noch Firmenwohnungen waren, gab’s Wartelisten für interessierte Mieter.

Jetzt gibt’s Wartelisten bei Anwälten von Mietenden.

Engler-Wiesenberg
@nullbockgeneration @mastodon.social
Public de edited

@sonjalemke Nunja, es kommt darauf an welche Gebäude der LEG...Ich kenne da welche aus Neustadt an der Weinstr... hmmm

padeluun ⁂
@padeluun @digitalcourage.social
Unlisted de edited

@sonjalemke

Die „Neue Heimat“ war einst Europas größter nichtstaatlicher Wohnungskonzern. Sie gehörte den Gewerkschaften und baute bis 1982 über 460.000 Wohnungen. 1973 lebten mehr als 1,5 Millionen Menschen in ihren Wohnungen.

Die Idee: bezahlbarer Wohnraum statt maximaler Profit.

Dann kamen Größenwahn, riskante Geschäfte, Misswirtschaft und persönliche Bereicherung der Vorstände. 1982 flog der Skandal auf. 1986 wurde der Konzern für eine symbolische D-Mark verkauft, der Verkauf kurz darauf rückgängig gemacht. Schließlich wurden die Wohnungsbestände Stück für Stück veräußert. 1998 war die Abwicklung abgeschlossen.

Ein gewaltiges sozialpolitisches Projekt war gescheitert. Und mit ihm ging ein wichtiges Instrument gemeinwirtschaftlicher Wohnungspolitik verloren.

de.wikipedia.org/wiki/Neue_Hei

hamato
@hamato @mastodon.social

@padeluun @sonjalemke Ich habe als Kind ein paar Jahre in der Neuen Heimat gewohnt, und das Umfeld war die absolute Shitshow. Wir sind da so schnell ausgezogen, wie es irgendwie möglich war. Weniger robuste Naturen sind da mental und körperlich traumatisiert worden.

(1/2)

hamato
@hamato @mastodon.social

@padeluun @sonjalemke
Der Gedanke hinter der Neuen Heimat mag wirklich ehrenvoll sein, aber das ist kein menschenwürdiges Wohnen. Die Menschen dort verhalten sich nicht so, weil sie schlecht oder boshaft sind, sondern weil sie meinen, es wäre notwendig in dieser Umgebung. Ich verstehe das. Ich war da.

Wir brauchen sozialen Wohnungsbau, und wir brauchen ihn dringend. Aber genauso dringend brauchen wir einen Dialog darüber, wie wir diese Wohnbereiche gestalten wollen.

(2/2)

SozialFair ⚖ 🤔🧐
@sozialfair @troet.cafe

@hamato @padeluun @sonjalemke
u.a Österreich hat gute Beispiele: keine Ghettobildung, gemischtes wohnen unterschiedlicher sozialer "Schichten" und Kulturen.

101
@1101011_1100001 @mastodon.social

@hamato @padeluun @sonjalemke ich bin im Plattenbau aufgewachsen.
Und daran war nichts schlecht. Dort, wo die in den 70 gern und 80 gern geplanten Wohngebiete noch so stehen, wie mal geschaffen - also mit viel Bäumen und Spielplätzen - und dort wo auch die zugehörige Nahversorgung und ÖPNV und alles noch im Ansatz vorhanden ist, dort sieht es für mich von aussen jedenfalls immer noch nach gutem Wohnen aus.

Der Verfall kommt, wenn die dort Wohnenden das Ganze nicht als "ihres" verstehen 1/2

101
@1101011_1100001 @mastodon.social

@hamato @padeluun @sonjalemke 2/2

Daher sind Bemühungen um Miteinander statt Nebeneinander und / oder genossenschaftliche r Wohnungsbau etc sicher wichtig und richtig

GeoRg
@MrGR @mastodon.social

@hamato @padeluun @sonjalemke Dieses Beispiel zeigt, dass „sozialer Wohnungsbau“ nicht unbedingt menschenwürdig sein muss. Ich erinnere mich noch an die einfachen Sozialwohnungen der 70ger und 80iger Jahre, in denen heute niemand mehr wohnen möchte. Sie wurden teilweise nur sehr mangelhaft gepflegt geschweige modernisiert. Nun sollen ja wieder die Wohnstandarts gesenkt werden, damit Bauen „billiger“ wird, und angeblich „günstigere“ Mieten erreicht werden. Fragt sich, wer dort wohnen möchte.

SozialFair ⚖ 🤔🧐
@sozialfair @troet.cafe

@padeluun @sonjalemke
Gier frisst Hirn und mangelnde Transparenz. Vonovia und Co machen nix besser, siehe Korruptionsverfahren, sämtliche Tochtergesellschaften gründen für die dann überhöhte Rechnungen gestellt werden und diese von der Hauptfirma durchgewunken werden. Investitionen, fast gar nicht, Mangelbeseitigung oft nur bei Klageandrohung, ca. jede dritte Nebenkostenabrechnung fehlerhaft überhöht hier Korrektur auch nur bei Klageandrohung bzw. Gerichtsverfahren. Abgreifen von Subventionen und Steuervermeidung plus AfA (kurz steuerliche Abschreibung) vs. gegenüber welcher Investitionssumme?
M.M.n sind seriöse Genossenschaften mit Transparenz und verpflichtendem Kodex die bessere Wahl.

GeoRg
@MrGR @mastodon.social

@sozialfair @padeluun @sonjalemke Auch sogenannter Gemeinnütziger Wohnungsbau ist davor (Gier und Korruption) nicht gefeit, ein Beispiel ist der Skandal der „Neuen Heimat“ in den 80iger Jahren. de.wikipedia.org/wiki/Neue_Hei

Schauinsland
@Soweitsogut @troet.cafe

@sonjalemke Ja, ich erinnere mich noch gut daran wie nach der Wende, nach Reagan und Thatcher, nach dem Blair- und Schröder-Sozialismus der „Markt“ alles regelte und Sozialpolitik darin bestand, alles zu verkloppen, was bisher funktioniert hatte

Fabian (wobintosh)
@wobintosh @chaos.social

@sonjalemke Nicht? Halb Wolfsburg besteht aus mehr oder weniger öffentlichem Wohnungsbau. Im Prinzip alles, was bis in die 90er gebaut wurde und kein Einfamilienhaus ist, ist von Neuland (Stadt), VW Immobilien (vermieten aber auch außerhalb des Konzerns) oder zu einem kleineren Teil Allertal (Genossenschaft).

flo
@fasnix

@sonjalemke@ruhr.social
Ich denke, der Unterschied liegt darin, dass Deutschland öffentlichen Sozialen Wohnungsbau hatte.

Wenn der großteils privatisiert wurde, ist er nicht mehr öffentlich.

Und wenn demzufolge private Investoren eine von einer Kommune vorgesehene Quote an zu bauenden Sozialwohnungen von 30% auf 15% drücken können, dann ist da auch nicht viel "Verhandlungsmacht" seitens der Kommune.
(Beispiel aus Dresden)

Oder dass Sozialwohnungen bei uns regelmäßig nach x Jahren aus der Bindung fallen und demzufolge nicht mehr weiter als Sozialwohnungen angeboten werden müssen.

NerdImNetz
@NerdImNetz @troet.cafe

@sonjalemke Geld für die Welt hat das neulich schön Zerlegtv
m.youtube.com/watch?v=MDxLgPhQ

Wurzelmann
@wurzelmann @mastodon.wurzelmann.at

@sonjalemke hahaha 💜